Dissertation von Andrea Colasurdo, betreut von Diego Alburez-Gutierrez und Clara H. Mulder.

Der Blick auf Verwandtschaftsnetzwerke kann helfen, besser zu verstehen, wie und warum Menschen migrieren. Familiäre Bindungen prägen individuelle Migrationsentscheidungen, und das Migrationsverhalten hat wichtige Folgen für Individuen und Familien in den Herkunfts- und Zielgebieten.

Wir untersuchen den Einfluss von Verwandtschaftsnetzwerken auf das Migrationsverhalten. Unser erstes Ziel ist es, zu beschreiben, wie sich transnationale Verwandtschaftsnetzwerke über Länder verteilen und wie sie sich im Zeitverlauf entwickeln. Unser zweites Ziel ist es, zu analysieren, wie sich die Mobilität von Verwandten auf die Wahrscheinlichkeit auswirkt, dass eine Person migriert, und auf die unterschiedlichen Verläufe und Verhaltensweisen, die diese Person im Laufe ihres Lebens erfahren kann.

Dank der zunehmenden Verfügbarkeit verknüpfter Zensusdaten sowie genealogischer und historischer Datenbanken stehen heute reichhaltigere Daten über Individuen und ihre Vorfahren und Nachkommen zur Verfügung. Dadurch können wir mehr Generationen und längere Zeiträume berücksichtigen. Das Projekt nutzt Datenquellen, mit denen sich Familiennetzwerke über Ländergrenzen hinweg untersuchen lassen, etwa genealogische Daten, sowie Datenquellen mit vollständigeren und detaillierteren demografischen Informationen über mehrere Generationen, etwa historische Register.

Frühere Studien haben hervorgehoben, welche Rolle verwandtschaftliche Bindungen für individuelle Entscheidungen zur Binnen- oder internationalen Migration spielen. Die bisherige Forschung hat sich jedoch kaum damit befasst, wie sich der Einfluss familiärer Netzwerke auf das Migrationsverhalten eines Individuums im Laufe der Zeit verändert hat oder wie die Neigung zur Migration über Generationen weitergegeben wird. Das Projekt schließt diese Lücke mit Langzeitanalysen, die eine größere Zahl von Generationen und Verwandten der erweiterten Familie einbeziehen. Damit geht das Projekt über den üblichen Zwei-Generationen-Ansatz hinaus, der sich nur auf den Einfluss der Eltern auf ihre Kinder konzentriert, und untersucht den Einfluss von Geschwistern und entfernteren Verwandten auf individuelle Migrationsentscheidungen.

Künftige Arbeiten können auf den Ergebnissen dieses Projekts aufbauen, um tiefere Einblicke in das Migrationsverhalten zu gewinnen und dabei sowohl Familiennetzwerke als auch deren Migrationsmuster und -ergebnisse zu berücksichtigen. Das Projekt liefert Erkenntnisse über die Folgen von Migration für Familien und familiäre Unterstützung. Zudem verbessert es unser Verständnis davon, wie Datensätze mit detaillierten genealogischen Informationen für die demografische Forschung genutzt werden können.

Übersetzung des englischen Textes des MPIDR.

Mitwirkende

  • Andrea Colasurdo, MPIDR / University of Groningen, Netherlands
  • Clara H. Mulder, University of Groningen, Netherlands

Alle Projekte